Ein leicht lesbarer Begleiter durch das „Jahr der Barmherzigkeit“ ist das von Stefan von Kempis im Verlag des „Katholischen Bibelwerks“ herausgegebene Buch „Papst Franziskus. Barmherzigkeit will ich“.
Die „Barmherzigkeit“, die gleichsam zur DNA des Christentums gehört, ist der rote Faden, der sich seit dem Amtsantritt im März 2013 durch die Reden, (Stegreif-)Ansprachen und Schreiben des lateinamerikanischen Papstes zieht.
Wie sehr die Christus-Beziehung das Leben der Christen prägen soll, zeigt der erste Satz, mit dem Franziskus das „Außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ im April 2015 angekündigt hat: „Jesus Christus ist das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters. Das Geheimnis des christlichen Glaubens scheint in diesem Satz auf den Punkt gebracht zu sein.“
Der Grundtenor aller päpstlichen Äußerungen zur Barmherzigkeit in den letzten drei Jahren lässt sich so umschreiben: Die Christen sind gerufen, Barmherzigkeit zu üben, weil ihnen selbst Barmherzigkeit erwiesen wurde. Biblisch begründet lautet der Satz im Matthäus-Evangelium (5,7) dann so: „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.“
Für Papst Franziskus ist die richtig verstandene Barmherzigkeit nicht nur eine pastorale Haltung, sondern die Botschaft selbst.
Barmherzigkeit ist keine billige Gnade oder eine Chiffre fürs Laisser-faire, sondern die Offenheit für einen vergebenden Gott. Dazu gehört auch der Appell dieses Papstes, der selbst alle vierzehn Tage beichtet, die Beichte wiederzuentdecken und zu beleben.
Kein Wunder, dass das Gleichnis vom „barmherzigen Vater“ oder vom „verlorenen Sohn“ (Lukas-Evangelium, 15. Kapitel) das Lieblings-Gleichnis von Papst Franziskus ist.