Die am Dienstag veröffentlichten Ergebnisse des AMS-Kompetenzchecks zum Ausbildungsgrad von anerkannten Flüchtlingen stimmt die Caritas "vorsichtig positiv".
Die überraschenden Ergebnisse - 23 Prozent der rund 900 Teilnehmer besitzen einen Studienabschluss, 27 Prozent die Matura - zeigten, "dass Menschen auf der Flucht auch hohe Kompetenzen mitbringen", betonte Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter in einer Aussendung am Donnerstag, 14. Jänner 2016. Eine rein defizitorientierte Debatte sei daher nicht zielführend.
Vor allem aus Syrien, dem Irak und dem Iran kommen gut ausgebildete Menschen nach Österreich: So besitzen rund 90 Prozent der Teilnehmer am Kompetenzcheck aus dem Iran eine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung; bei Syrern liegt dieser Schnitt bei fast 70 Prozent. Auch der Akademikeranteil ist unter Iranern, Syrern und Irakern sehr hoch. So verfügen 40 Prozent der Flüchtlinge aus dem Iran und dem Irak über einen Studienabschluss.
Das schlechte Abschneiden der Afghanen - über 35 Prozent der Befragten verfügen über kein Schulbildung - erklärte Wachter mit dem Krieg, der seit 40 Jahren in dem Land herrsche. Zwischen August und Dezember 2015 wurden rund 900 anerkannte Flüchtlinge vom Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) einem Kompetenzcheck unterzogen.
Die Caritas forderte nun eine Ausweitung der Erhebung von Wien auf ganz Österreich. Denn klar sei: "Wer Arbeit hat, wird sich schneller und besser integrieren." Je früher Integrationsmaßnahmen gesetzt werden, desto besser funktioniere sie langfristig. Beispiel dafür sei Deutschland, das bereits in den Erstaufnahmestellen die Kompetenzen von Flüchtlingen mit Bleiberechtsperspektive erhebt. "Diese - wenn auch kostenintensive Maßnahme - lohnt sich langfristig gesehen und bestätigt, dass mit Integrationsmaßnahmen bereits vor Anerkennung gestartet werden muss", so Wachter.
Der Bedarf an Integrationsmaßnahmen sei groß: "Denn Flüchtlinge sind mit verschiedensten integrationshemmenden Faktoren konfrontiert, wie fehlende Sprachkenntnisse und Netzwerke, fehlende Anerkennung von Qualifikationen oder Traumatisierung", erklärte Wachter. Zumal bestehe in Österreich mit 10,6 Prozent (Dezember 2015) die höchste Arbeitslosenquote in der Zweiten Republik. Die hohe Anzahl von anerkannten Flüchtlingen werde die Arbeitslosenzahl kurzfristig erhöhen, "denn Integrationsmaßnahmen dauern und nicht alle Flüchtlinge können sofort arbeiten".
Zu den Integrationsmaßnahmen von Anfang an zähle auch die so dringende Sprachförderung. Es bedürfe massiver Investitionen in weitere Sprachkurse, um Flüchtlingen den Deutscherwerb bereits im Asylverfahren zu ermöglichen. Wachter: "Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass Flüchtlinge die Angebote eigenständig in Anspruch nehmen und nicht dazu motiviert werden müssen."
Den Ergebnissen des Kompetenzchecks nach müssten individuelle Förderangebote ausgebaut werden. Der Generalsekretär erklärte: "Auch aus der Caritas Arbeit wissen wir, dass mit individueller Beratung und Begleitung viel bewegt werden kann. Wichtig zu beachten ist, dass bei der geplanten Ausbildungspflicht Flüchtlinge als Zielgruppe mitgedacht und berücksichtigt werden. Erfolgreiche Arbeitsmarktintegration kostet Geld, Zeit und Personal. Aber wir legen durch die Investition in gute Integrationsschritte und Flüchtlingsmanagement die Grundsteine für die Facharbeiter von morgen, die so dringend benötigt werden."