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15.01.2016

Kirche trauert um Kurt Bergmann

Kardinal Schönborn würdigt "großen und wichtigen Einsatz" des verstorbenen "Licht ins Dunkel"-Gründers.

Kardinal Christoph Schönborn hat mit großer Betroffenheit auf den Tod von Kurt Bergmann (1935-2016) reagiert. "Gott möge ihm seinen großen und so wichtigen Einsatz für die Armen in den Aktionen 'Nachbar in Not' und 'Licht ins Dunkel' reich vergelten", so der Wiener Erzbischof am Freitag, 16. Jänner 2016. Noch zu Weihnachten hatte Schönborn Bergmann zum letzten Mal getroffen, der damals schon schwer von seiner Krankheit gezeichnet war. Am Freitagmorgen, 15. Jänner 2015, verstarb der ORF-Manager und Vater zahlreicher Hilfsinitiativen im 81. Lebensjahr.

 

Architekt der Mitmenschlichkeit

Als "Zugmaschine des Spendensammelns und des Helfens" sowie als "einer der großen Architekten der Mitmenschlichkeit unserer Republik" würdigte Caritas-Präsident Michael Landau den Verstorbenen. Mit Bergmann verliere Österreich "eine wichtige Stimme für Menschlichkeit und Solidarität", betonte Landau. Der langjährige ORF-Manager sei ein "Hilfskünstler" gewesen, der die Not der Menschen gesehen und wie kein anderer verstanden habe, "dass der Einzelne die Welt verändern kann".


Der Caritas-Präsident erinnerte an Bergmanns Ausspruch: "Geld sammeln ist das eine. Aber man muss auch dazu beitragen, das Bewusstsein der Öffentlichkeit gegenüber Menschen mit Behinderungen zu verändern." Der "Licht ins Dunkel"-Gründer habe damit "etwas ganz Wichtiges mitgegeben" und auch wesentlich zum Abbau von Barrieren in Österreich beigetragen. Entscheidend sei auch seine Auffassung gewesen, dass Hilfe mit Überlegung, Wissen und strategischem Geschick erfolgen müsse.

Auch die Gründung der "Nachbar in Not"-Stiftung gemeinsam mit Caritas, Rotem Kreuz, sechs weiteren NGOs und dem ORF als Medienpartner bereitete Bergmann maßgeblich vor und habe dabei "ein wichtiges Stück Europäischer Sozialgeschichte" geschrieben, erinnerte Landau. Schließlich sei damit Einsatz mit "größerem, weltweiten Radius" möglich geworden.

 

Küberl: Vielen ermöglicht zu helfen

Laut Franz Küberl, Landaus Vorgänger an der Caritas-Spitze und weiterhin Kirchenvertreter im ORF-Publikums- und -Stiftungsrat, ist mit Kurt Bergmann "ein ganz Großer des ORF heimgegangen". Kurt Bergmann habe als Mitinitiator von "Licht ins Dunkel" und als Erfinder und Multiplikator von "Nachbar in Not" "unzähligen Menschen Hilfe vermittelt und Millionen Menschen in Österreich die Möglichkeit gegeben, sich zu beteiligen an der Hilfe für jene, die es brauchen". Damit habe Bergmann dem ORF "ein unverwechselbares Gepräge von sozialer Identität des öffentlichen Rundfunks" gegeben.

Mit den großen sozialen Aktivitäten des ORF habe Bergmann auch viele Medien, Institutionen und Vereine in Österreich angeregt, sich daran ein Beispiel zu nehmen und in ähnlicher Weise Notleidenden zur Seite zu stehen. "Er hat sich damit in das Buch großer Sozialer Geschichte Österreichs eingeschrieben. Wir sind ihm zu Dank verpflichtet", so der Grazer Caritas-Direktor.

 

Politiker, Medienmensch und Fundraiser

Der 1935 in Neulengbach (NÖ) geborene Bergmann wechselte in seiner Berufskarriere mehrmals zwischen der Politik und Fernsehen. Er war u.a. Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter bei der ÖVP, Leiter der Hauptabteilung Öffentlichkeitsarbeit im ORF, Intendant des ORF-Landesstudios Niederösterreich, wo die weihnachtliche Sendung "Licht ins Dunkel" seinen Anfang nahm, und schließlich ORF-Generalsekretär. Nachdem als Reaktion auf den Bürgerkrieg in Jugoslawien die Aktion "Nachbar in Not" entstand, wurde Bergmann auch mit der Leitung des ORF-Büros für humanitäre Angelegenheiten betraut. Nach vorübergehender Leitung des ORF-Landesstudios Steiermark war Bergmann von 1998 bis zu seiner Pensionierung 2003 Chef der ORF-Abteilung für Humanitarian Broadcasting.