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20.01.2016
Ökumene im Gespräch in Klosterneuburg

Abtprimas Backovsky: "Ökumene braucht Geduld und Mut"

Gottesdienst und Podiumsdiskussion über aktuelle ökumeneische Herausforderungen in Klosterneuburg.

"Ökumene braucht Geduld, weil keine Kirche überfordert werden darf, aber sie braucht auch neuen Mut": Das sagte der Klosterneuburger Abtprimas Bernhard Backovsky bei einer Gesprächsrunde zum Thema "Was heute in der Ökumene nottut" am Dienstagabend, 19. Jänner 2016 in der Pfarrkirche St. Gertrud. Er sei in Sorge, dass das "ökumenische Feuer" vor allem von jüngeren Gläubigen als allzu selbstverständlich angesehen werde und in Wahrheit langsam erlösche. Außerdem gebe es in letzter Zeit Bestrebungen, das eigene konfessionelle Profil wieder stärker zu betonen.

 

Der Chorherren-Abtprimas erinnerte an die 2015 verstorbene "Mutter der Ökumene", Christine Gleixner. Ihr sei es zu verdanken, dass es vor mehr als zehn Jahren zum viel beachteten Ökumenischen Sozialwort gekommen ist, das nicht umsonst in mehrere Sprachen übersetzt worden sei.

 

Statements auf dem Weg zur Einheit

Der altkatholische Bischof John Okoro sagte, das größte Thema, das die Konfessionen heute noch trenne, sei die Situation der Frauen in der Kirche. Die Kirchen glaubten möglicherweise, dass die Männer "die ganze Heiligkeit gepachtet" hätten. Okoro wies auf viele Kleinigkeiten hin, die in der Ökumene noch überwunden werden müssten: "Vorgestern rief mich ein Altkatholik an, der die Firmpatenschaft für seinen Neffen in einer römisch-katholischen Kirche übernehmen möchte. Da höre ich dann vom Bischof: Das geht nicht." Wenn derlei Hürden nicht überwunden werden, "kann die Ökumene nicht wachsen".

 

Die evangelische Theologin Dorothea Haspelmath-Finatti erinnerte daran, dass der Klosterneuburger Liturgie-Pionier Pius Parsch auch mit der evangelischen Kirche verbunden gewesen sei. Parsch habe mit Beteiligung der Gemeinde deutschsprachige Gottesdienste gefeiert, als das vonseiten der römisch-katholischen Kirche so noch nicht vorgesehen gewesen sei. "Martin Luther hat bereits 400 Jahre vorher entdeckt, dass aus Bibel und Gottesdienst die Theologie der Gnade so wächst, dass wir nicht zuerst gute Werke tun müssen, damit Gott uns lieb hat", sagte die Haspelmath-Finatti.

 

Den Befund der Theologin bestätigte auch der Klosterneuburger Chorherr und Parsch-Experte Andreas Redtenbacher. Zwischen katholischer und evangelischer Kirche gebe es in vielen Bereichen völlige Übereinstimmung. Was noch fehle sei aber das Durchbuchstabieren dieses Grundkonsenses in die Details des kirchlichen Lebens.

 

Der evangelische Alt-Superintendent Werner Horn sagte, die Menschen wünschen konkrete Fortschritte in der Ökumene - oder "sie werden sich das selber machen".

 

Der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emmanuel Aydin beklagte, dass die Situation in Syrien vor allem für die Christen immer schlimmer werden. Außer in die westlichen Länder hätten sie keinen Zufluchtsort. Die Situation in manchen Flüchtlingsunterkünften sei sehr schlimm, weil Christen immer wieder von Islamisten angegriffen würden. Nach dem Hilfsaufruf Papst Franziskus sei es ihm gelungen, 15 Familien in Österreich unterzubringen, sagte Aydin. Dennoch bedauere er, dass die katholischen und evangelischen Mitchristen oft ein völlig falsches Bild von der Lage ihrer Glaubensgeschwister in Syrien hätten. "Wir müssen hier als Christen eng zusammenstehen", so sein Appell.