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Der Sonntag
21.01.2016

Raum lassen für den Heiligen Geist

Texte aus zwei Jahrtausenden beleuchten die „Gabe der Unterscheidung“.

Eine erste Unterscheidung trifft bereits das Neue Testament. Seit der Zeit der Kirchenväter, des Mittelalters bis hin zur Neuzeit und Gegenwart wird die Lehre von der „Unterscheidung der Geister“ behandelt und bearbeitet.

 

 

 

Dazu hat Marianne Schlosser, Professorin für Theologie der Spiritualität an der Universität Wien, maßgebliche Texte herausgegeben („Die Gabe der Unterscheidung“, EOS-Verlag).

 

Dabei sind u. a. zwei Fragen maßgeblich:

  1. „Wie kann man beurteilen, von welchem Geist angeregt jemand spricht?“ und:
  2. „Wie kann ich in mir selbst – oder im Fall der geistlichen Leitung: bei anderen Menschen – gute Anregungen von bloßen Phantastereien oder gar Gefährdungen unterscheiden?“

 

Anders formuliert: „Was bringt mich wirklich zu meinem Ziel“ und: „Was ist im religiösen Bereich echt, was ist unglaubwürdig, nur eingebildet oder gar bewusst vorgetäuscht?“


Die großen Lehrerinnen und Lehrer der Spiritualität kommen alle vor: Origenes, Cassian, Bernhard von Clairvaux, Thomas von Aquin, Caterina von Siena, Ignatius von Loyola, Teresa von Avila, Franz von Sales, Karl Rahner SJ und Hans Urs von Balthasar, um nur einige zu nennen.


So sagt Franz von Sales (1567-1622): „Die drei besten und sichersten Kennzeichen der echten Eingebungen sind:

  • Ausdauer, im Gegensatz zu Unbeständigkeit und Leichtfertigkeit;
  • Friede und Sanftmut des Herzens im Gegensatz zu Unruhe und Hast;
  • demütiger Gehorsam im Gegensatz zu Hartnäckigkeit und Launenhaftigkeit.“


Auch der große Prediger Bernardin von Siena (1380-1444) nennt drei wesentliche Punkte, um sich Klarheit zu verschaffen:

  • durch Ratgeber, die Erfahrung besitzen,
  • durch Gebet,
  • und indem man Übereilung und eine Entscheidung in aufgeregtem Gemütszustand meidet.