Es ist kein Muss, mit der Bibel in der Hand Israel zu besuchen. Und doch keimt ein intensives Gefühl auf, an Orten großer Ereignisse mit eigenen Füßen zu stehen und nicht nur darüber zu lesen.
Diese heilige Erde dreier Weltreligionen könnte einen, und doch ist dieses an Grundfläche so kleine Land geteilt, getrennt, zerrissen.
Als Pilger sucht man verständlich die Geburtsgrotte auf, Orte, an denen Jesus Wunder wirkte, geht den Weg unvorstellbaren Leides, die Via Dolorosa, in langen, nicht enden wollenden Menschenschlangen und versucht zu begreifen, was letztlich nicht begreifbar ist.
Hier, wo selbst ein Staubkorn Geschichte atmet, gibt es auch Stätten zu entdecken, die biblisch bekannt, aber selten an klassischen Reiserouten liegen.
Wie Bethanien, an der Ostseite des Ölbergs, Heimat von Lazarus und seinen Schwestern Martha und Maria. Jener Ort, an dem Jesus weinte und seinen Freund von den Toten erweckte.
Nahe Jerusalem liegt En Karem. In dieser zauberhaften Landschaft kann man erahnen, wie Elisabeth, Mutter von Johannes den Täufer, Maria mit den Worten „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes“ entgegeneilte. Als würde die Zeit seit Jahrtausenden stille stehen.
Und doch hat dieses herrliche Land auch eine jüngere Geschichte. Sein Wahrzeichen ist eine Mauer, die den Boden unfruchtbar zerpflügt.
Eine aus Stacheldraht und Stein in die Scholle getriebene Demarkationslinie riesigen Ausmaßes – bis über acht Meter hoch.
Wohnhäuser können an bis zu drei Seiten von dieser eingeschlossen ein. Doch die darin lebenden Menschen hauchen den kilometerlangen Betonwänden mit Farbe und Malerei Leben ein.
Baukräne, wohin das Auge reicht. Neue Häuser auf alten Steinen, die rasend schnell – oft illegal – das Land vereinnahmen.
Zu Recht sieht der Pilger beglückt dieses Land als das lebendig gewordene Buch der Bücher. Für die Bewohner besetzter Gebiete und Enklaven bedeutet es auch Leid.
Christ sein heißt auch, mit offenen Herzen und Augen durch eine Welt zu gehen, deren territoriale Eckpfeiler noch nicht festgeschrieben sind.
Für den kurzzeitigen Besucher mag der Wunsch, dass dieses unbeschreiblich schöne Land allen gleichermaßen gehören möge, leicht von den Lippen kommen. Ebenso leicht, wie Mitteleuropäer dieses betreten und wieder verlassen können. Doch dieses Privileg, zu gehen, wohin die Schritte führen, bleibt den heutigen Bewohnern des Gelobten Landes oft verwehrt.
Zum viel strapazierten Thema Sicherheit und Risiko meint Israel-Experte Ing. Franz A. Schodritz von Optimundus: „Wir beobachten genau die Situation im Heiligen Land.
Unsere Route führt weitgehend in Regionen, die von den Auseinandersetzungen zweier Volksgruppen nicht betroffen sind und von Pilgern aus aller Welt aufgesucht werden.
Selbstverständlich werden wir von ortskundigen Reiseführern begleitet, die über die Sicherheitsbestimmungen des Außenministeriums hinaus, zeitnah Informationen zur Situation vorort einholen.“
Wie sagt schon Jesus in einem der bekannten Schwarz-Weiß-Filme zu seinem wortgewaltigen und schlagkräftigen Diener, Don Camillo: „Die Welt ist noch nicht fertig. Sie steht erst am Anfang“.