Dienstag 12. Mai 2026

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31.01.2016
Delegation der Erzdiözese Wien unterwegs

Studienreise auf Philippinen inspiriert Wiener Diözesanreform

Ziel ist es, Elemente einer "partizipativen Kirche" kennenzulernen und in den Entwicklungsprozess zu integrieren.

Der Weg zur kirchlichen Erneuerung führt offenbar wortwörtlich "an die Ränder", wie es Papst Franziskus gefordert hat: So unternimmt derzeit eine sechzehnköpfige Delegation der Erzdiözese Wien unter Leitung von Weihbischof Stephan Turnovszky und Generalvikar Nikolaus Krasa eine Studienreise auf die Philippinen, um sich dort von Aufbruchsbewegungen und Elementen einer "partizipativen Kirche" inspirieren zu lassen. Dabei wird die Gruppe vom philippinischen Pastoralinstitut "Bukal ng Tipan" (dt. Quelle des Bundes) durch ein Programm aus Übungen, Begegnungen, Informationsveranstaltungen und Methodenseminaren begleitet. Ziel ist es, die Erkenntnisse in den eigenen diözesanen Reformprozess "APG 2.1" einfließen zu lassen.

Eine erste positive Zwischenbilanz zur Reise, die am 18. Jänner 2016 begann, zog nun die Wiener Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel gegenüber de: "Das Gehen in einen fremden Kontext hat ein großes Potential. Es geht darum, die Haltungen und Zugangsweisen herauszufinden, die wir in der Weltkirche auch gemeinsam haben. Es geht nicht darum, irgendetwas zu kopieren, sondern es geht darum, etwas zu kapieren." Der Schritt heraus aus dem eigenen kirchlichen und kulturell-gesellschaftlichen Kontext sei dabei hilfreich, da man durch die Distanz einen anderen Blick und eine neue Sprachfähigkeit gewinne.


Weihbischof Turnovszky: "Hat meine Sicht verändert"

Der Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky zeigt sich beeindruckt von den pastoralen Erkenntnissen und überrascht zugleich: "Wie ist es möglich, dass wir im ganzen deutschen Sprachraum nicht ein vergleichbares pastoral-praktisches Institut haben wie das philippinische Institut, von dem wir hier begleitet und unterrichtet werden? Das gibt es doch gar nicht, dass bei uns daheim niemand diese Marktlücke entdeckt hätte", schreibt Turnovszky in einem Eintrag auf dem eigens zur Reise eingerichteten Blog

Die Reise führe vor Augen, wie wertvoll ein Perspektivwechsel sein kann: "Man lässt sich manchmal leichter von Menschen etwas sagen, die einem nicht so nahe stehen. Das erleben wir hier", so der Weihbischof: "Ein Tag geht zu Ende, an dem nicht nur von Veränderung gesprochen wurde, er hat meine Sicht verändert. Dazu bin ich hier."

Die Erzdiözese Wien ist nicht die erste europäische Diözese, die sich pastorale Anregungen auf den rund 10.000 Kilometer entfernten Philippinen holt: So hat die Erzdiözese Berlin bereits drei Gruppen auf die Philippinen entsendet. Insgesamt seien bereits über 200 Verantwortliche aus pastoralen Arbeitsbereichen in Deutschland auf die Philippinen gereist.


Ziel ist Aktivierung der Gläubigen

Den Anstoß für die Wiener Reise gab laut Prüller-Jagenteufel der Austausch mit dem missionarisch aktiven Regens in der deutschen Diözese Hildesheim, Christian Hennecke. Dieser hatte im Rahmen einer Summerschool vor rund eineinhalb Jahren ein Team des philippinischen Pastoralinstituts eingeladen, um dort das Modell einer "partizipativen Kirche" zu präsentieren. "Dieser Vision will auch unser Diözesaner Entwicklungsprozess APG2.1 den Boden bereiten", schreibt dazu ein Teilnehmer im eigens eingerichteten Reise-Blog

Im Rahmen des Wiener diözesanen Reformprozesses sollen u.a. die kleinen christlichen Gemeinschaften gestärkt werden. Von ihnen erhofft sich die Erzdiözese entscheidende missionarische Akzente, die schließlich in die Pfarren hineinwirken und dort das kirchliche Leben inspirieren sollen. Das philippinische Pastoralinstitut empfiehlt dazu den Weg der "Basical-Ecclesial-Communities" (BEC) - eine Form von Basisgemeinden, die sich u.a. durch Überschaubarkeit in ihrer Größe und durch ihren sozialen Dienst auszeichnet. Auf den Philippinen sei durch dieses, von der Bischofskonferenz geförderte Modell die aktive Beteiligung der Menschen am kirchlichen Leben von rund 2 Prozent der Getauften auf inzwischen rund 25 Prozent gestiegen.