Der 10. September 1995 ist ein frühherbstlicher Tag. Tom Gschwandtner ist mit Freundin Gabi und zwei weiteren Freunden spätabends auf dem Weg nach Hause.
In einem Waldstück in einer engen Kurve überschlägt sich der Wagen, Tom, der nicht angegurtet im Heck sitzt, wird hinausgeschleudert, das Auto landet in der Wiese.
Er sagt zu Gabi: „Zwick mich!“, sie sagt: „Ich habe schon gezwickt“. Tom weiß: „Das ist ein Querschnitt.“ Im Horner Krankenhaus wird seine Wirbelsäule stabilisiert.
Beim Röntgen von Gabi entdeckt man einen Bruch des ersten und zweiten Halswirbels, normalerweise ist das tödlich.
Im Krankenhaus haben beide nach vier Wochen ein gemeinsames Zimmer. Gabi hat nach einem halbjährigen Ganzkörpergips und zwei Operationen das Schlimmste überstanden.
Bei Tom ist es anders. Er kann zu dem Zeitpunkt nichts essen, schneiden, kein Besteck oder einen Becher halten.
Er erhält Fausthandschuhe: „Damit wird aus den Fingern eine unbewegliche Faust gemacht, was die Sehnen verkürzt, und eine Funktionshand entstehen lässt.“ So kann er die Hand wie einen „kleinen Schaufelbagger“ benützen.
Nach acht Wochen Krankenhaus stehen für den Milizoffizier und Außendienstmitarbeiter sechs Monate Rehabilitation am Weißen Hof in Klosterneuburg an.
„Ich konnte nicht einmal gerade sitzen, weil die ganze Rumpfmuskulatur weg war“, erinnert sich Gschwandtner. „Der Weiße Hof liegt auf einem Berg, der Ölberg heißt“.
Er erkennt: „Du bist nicht der, den es am schlechtesten erwischt hat.“ Tägliches Training mit dem Rollstuhl, das Erlernen von Alltagsfähigkeiten, Krafttraining stehen an: „Das ist schon ein zäher Weg, bis man ins Rollen kommt“, so Tom.
Das „Dramatischste allerdings“ sei ein Thema, über das man nie spricht, „wenn Muskeln gelähmt sind, betrifft das auch Schließmuskeln und da muss man einmal seine Blasen- und Darmfunktion in den Griff bekommen, das ist das Ärgste“.
Als Tom Gschwandtner den Weißen Hof verlässt, heiratet er Gabi. Sie bauen mit Unterstützung der Verwandtschaft ein barrierefreies Haus. Er arbeitet zu Hause als Grafiker und Texter.
Die Gschwandtners werden Eltern eines Buben und eines Mädchens. „Die Kinder sind überrascht, wenn sie Fotos von früher sehen, wo ich nicht im Rollstuhl gesessen bin, sondern laufe oder schwimme.“
Sie haben es nie verstanden, dass er nicht angegurtet war. Einmal haben sie zu ihm gesagt: „Papa, du warst ganz schön blöd damals!“
Tom Gschwandtner hat über den Unfall, die Reha und sein Leben mit dem Rollstuhl ein Buch geschrieben.
Bei Präsentationen in Schulen sagt Gschwandtner: „Das passiert, wenn man alkoholisiert im Auto unterwegs ist. Da merke ich, dass es bei den Schülern deutlich ‚klick‘ macht.“