Bundespräsident Heinz Fischer nimmt die Willkommenskultur in Schutz. Es sei besser einem verängstigten Flüchtlingskind am Wiener Westbahnhof einige aufmunternde Worte zu sagen als wegzuschauen oder sich feindselig zu verhalten, sagte Österreichs Staatsoberhaupt beim sogenannten Fastensuppenessen der Katholischen Frauenbewegung in der Hofburg am Montag, 15. Februar 2016.
Bundespräsident Fischer missfällt, dass der Begriff der Willkommenskultur offenbar ein Kampfbegriff sei, "mit dem man den Eindruck erwecken will, dass Flüchtlinge wie Luxustouristen behandelt werden, die man nach Österreich einlädt und ihnen einen roten Teppich ausrollt, was aber weder in Deutschland noch in Österreich noch sonst wo der Fall ist". "Was viele Flüchtlinge auf dem Weg von zerbombten syrischen Städten über gefährliche Zwischenstationen und Zwischenstrecken bis zu den Flüchtlingslagern oder Auffanglagern in Mitteleuropa erleben und erleiden, ist wahrscheinlich gerade jenen nicht bewusst, die eine angebliche 'Willkommenskultur' ironisieren und kritisieren", so der Bundespräsident weiter weiter.
Dass die Regierung "die unbestrittenermaßen nicht unbegrenzte Aufnahmekapazität“ Österreichs in sachlich begründeten 'Richtwerten' festschreibt", hält der Bundespräsident für richtig. Es sei nicht zu übersehen, dass es einen "schmerzhaften und schwer zu lösenden Widerspruch" zwischen Asylrecht und drohender Überlastung gibt, so Heinz Fischer. Nachsatz: "Ich möchte nicht haben, dass die nächste Generation uns vorwerfen muss, dass wir bei der Lösung des Flüchtlingsproblems versagt, die Flinte ins Koren geworfen und außerdem das europäische Projekt stark beschädigt haben. Ich glaube, man sollte all jene unterstützen, die nicht kapitulieren.“
Kardinal Christoph Schönborn dankte dem Bundespräsidenten für seine Worte. „Wir haben dringend solche Worte notwendig, wir brauchen sie in dieser Zeit“, so der Wiener Erzbischof. „Mut machen“ das sei wichtig, so der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz.
Veronika Pernsteiner, die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung präsentierte in der Hofburg unter dem Motto „teilen macht stark“ die diesjährige "Aktion Familienfasttag". Mit vielen Initiativen und Veranstaltungen wird während der Fastenzeit für Frauen-Hilfsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika gesammelt. Heuer stehen vor allem die Philippinen im Fokus. Offizieller Familienfasttag ist Freitag, 19. Februar 2016. Am zweiten Fastensonntag (21. Februar) laden viele Frauen in den Pfarren zum traditionellen Fastensuppenessen. An diesem Sonntag wird auch während der Gottesdienste für die Aktion Familienfasttag gesammelt.
Insgesamt fördert die Frauenbewegung mit ihrer seit 1958 bestehenden Aktion rund 100 Frauen-Projekte in Asien, Lateinamerika und Afrika. Meist geht es dabei um Bildungs-, Gesundheits oder Landwirtschaftsprojekte. Frauen werden aber auch dabei unterstützt, ihre Rechte in männerdominierten Gesellschaften wahrzunehmen.
2016 stellt die Frauenbewegung Hilfsprojekte auf den Philippinen ins Zentrum ihres Engagements. Die Katholische Frauenbewegung unterstützt u.a. die Organisation FDC (Freedom from Debt Coalition/"Koalition für eine öffentliche Entschuldung"). Die Mitglieder setzen sich dafür ein, dass die Maßnahmen im Kampf gegen die hohe öffentliche Verschuldung auf den Philippinen nicht auf Kosten der privaten Haushalte und somit vorrangig auf Kosten von Frauen gehen. Frauen seien von den staatlichen Einsparungen auf den Philippinen am stärksten betroffen, teilte die Katholische Frauenbewegung mit.
Die Preise für Waren des täglichen Bedarfs, für Strom, Miete und Bildung würden auf den Philippinen ständig steigen. Die staatlichen Sozialleistungen würden hingegen zurückgefahren, die öffentlichen Dienstleistungen geschmälert, die Löhne seien niedrig, die Wasserversorgung sei unzureichend. Die FDC-Mitglieder schärften mit ihren Aktivitäten das Bewusstsein für diese Zusammenhänge und mobilisierten Menschen, sich für eine faire, geschlechtergerechte Wirtschafts- und Budgetpolitik einzusetzen.