Die Insel Madeira (portugiesisch: Holz) liegt auf der Afrikanischen Platte und zählt mit den Kanaren, Kapverden und Azoren zu den makaronesischen („glückseligen“) Inseln.
Unübersehbar ist der vulkanische Ursprung im Inselinneren. Dieses verhältnismäßig junge Eiland durchziehen Flüsse mit starkem Gefälle, durchbrochen von zahlreichen Wasserfällen.
Es ist üblicherweise zwischen 19 und 26 Grad Celsius warm und fruchtbare Hochplateaus und tiefgrüne Böden am Fuß von Hängen wechseln mit steilen und felsigen Formationen, die bis 580 Meter hoch über den Atlantik reichen.
Madeira war nie mit dem Festland verbunden. Somit konnte die Besiedlung durch Tiere und Pflanzen nur durch die Winde, die Kleinstlebewesen, Pflanzensporen und –samen transportierten;
oder durch die Meeresströmungen, die auf Treibholz vor allem Insekten und Reptilien Geleit durch die See gaben und durch sogenannte „passive Verschleppung“, durch Vögel und Fledermäuse, die im Gefieder und Kot Klett- und Klebefrüchte auf die Insel brachten, erfolgen.
Einzig die Mönchsrobbe hat als Säugetier schwimmend das Land erreicht. Von den etwa 3.340 Lebewesen gelten 900 als endemisch, kommen also nur hier vor.
Jedoch sind Strelizien, Hortensien und andere Großblütler, die Reiseführer für die „Insel des Ewigen Frühlings“ gern abbilden, hier ursprünglich nicht heimisch gewesen.
Vermutlich wurde Madeira im 6. Jh. v. Chr. von den Phöniziern entdeckt. Plinius bezeichnete die Inselgruppe als Purpurinseln.
Christoph Columbus besuchte sie im Jahre 1478 als Zuckerhändler und Papst Leo X. erhob 1514 Madeira zu einer eigenen Diözese.
Als die üppige Fruchtbarkeit durch die rigorose Ausbeutung der Zuckerrohrproduktion erschöpft war, wurden die Pflanzungen durch Reben aus Sizilien, Zypern und Kreta in Weinberge umgewandelt.
Als die Reblaus-Plage das Gros der Stöcke vernichtete, entwickelten die findigen Insulaner ihre Stickerei. Über 30.000 Frauen fertigen noch heute, zumeist in Heimarbeit, feinst-veredelte Textilwaren. An so mancher Tischdecke arbeiten sie bis zu einem Jahr lang.
In den Tälern entlang der Levadas (Bewässerungssysteme) wachsen Weiden, die während der ersten Monate des Jahres geschnitten werden. In großen Trögen stundenlang gekocht, werden die Ruten geschmeidig, um in kunstvolles Flechtwerk wie Körbe, Möbel und Accessoires verwandelt zu werden.
Maurischen Ursprungs, von Südspanien nach Portugal eingeführt, sind die Azulejos. Quadratische, zumeist blau, aber auch bunt bemalte Keramikkacheln, die Außenfassaden und Kirchen wetterfest kunstvoll zieren.
Doch das häufigste Mitbringsel ist und bleibt der Madeira-Wein. Um ihn seinerzeit auf langen Schifffahrten haltbar zu machen, wurde er mit Brandy versetzt.
Diese Behandlung hat den Geschmack verfeinert und sein unvergleichliches Aroma entfaltet.
Die trockenen Sorten sind ideal als eisgekühlte Aperitifs. Die halbtrockenen ihrer Art begleiten perfekt jedes Dessert. Aber die süßeste Sorte ist die Krönung jedes Abendessens.
Apropos Essen: Die Madeirenser haben in ihrer Küche das kostbarste aus Meer und Land auf ihren Tischen vereint. Sei es der Schwarze Degenfisch, der tiefnachts aus den Fluten gefischt wird und mit den inseltypischen Aromen eine lukullische Geschmacksexplosion am Gaumen garantiert.
Für den Fleischliebhaber werden saftige Rindfleischstücke auf Lorbeerspießen über offenem Feuer gegart. Der Wirt geht damit von Tisch zu Tisch und portioniert die duftend mürbe Köstlichkeit für jeden Gast auf seinem Teller.
Sie sind gastfreundlich, die Insulaner. Gespeist vom christlichen Gedankengut, Fremde als Freunde zu begrüßen.