Ich bin ein Wanderer zwischen Welten“, schildert Johannes Toegel.
Der aus Villach stammende Theologe hat in seinen knapp sechs Lebensjahrzehnten mehrere Wandel durchzogen.
Eine Konstante blieb: sein katholischer Glaube. Toegel wird in jungen Jahren Musiker. Es ist die Zeit des Aufkommens des Austropop in den 1970er-Jahren. Toegel ist u.a. Keyboarder in der Band von Goldie Ens. „Das Studium der Theologie war mir wichtiger“, erklärt er.
Aber auch philosophische Herausforderungen begleiten ihn und die Metaphysik. „Mir war klar, man muss auf den Grund dessen zurückgehen, was das Wissen seit Beginn der Menschheit ausmacht..“
Trotz des Erfolgs verabschiedet er sich aus der Musikbranche: „Man kann nicht beides zugleich machen, entweder Musikkarriere oder wirklich tief in das Geistige gehen“.
In der Folge ist für ihn ein „Tapetenwechsel“ notwendig. Toegel geht in ein Reisebüro mit dem Wunsch: „Möglichst weit weg“. Günstige Flüge nach Australien oder Indien werden angeboten.
Er bucht im Herbst 1979 den Flug nach Indien. Ziel des 26-Jährigen ist Kalkutta. Dort angekommen, muss er sich erst einmal finden: „Menschliches Leid ist einem so präsent, am ersten Abend war ich völlig geschafft“, erinnert er sich. Auch das heiße Klimat setzt ihm zu.
Er begibt sich in die Berge. Im nordindischen Shimla auf 2.200 Metern Höhe auf einem Rücken des mittleren Himalaya stößt Johannes Toegel „zufällig auf ein menschliches Juwel“.
Es ist ein aus Tibet geflüchteter Mediationsmeister, der eine Einsiedelei in den Bergen gegründet hat. Toegel nennt ihn seinen Lehrer.
Er ist fasziniert von der Einfachheit des Lebens und der „geistigen Qualität“ in der Einsiedelei.
Da aber nach einer Woche die Rückreise ansteht, verspricht ihm der buddhistische Mönch, er kann jederzeit kommen, wenn es für ihn passt.
Zurück in Österreich bereitet sich Johannes Toegel zwei Jahre auf einen längeren Aufenthalt in der indischen Einsiedelei vor.
Er testet aus, wie es ist in einer Höhle zu leben. In dieser Zeit stirbt sein Vater.
1981 reist Toegel wieder zur Einsiedelei. Er richtet sich ein kleines Zimmer in einer Höhle ein.
Toegel prägen spirituelle Erfahrungen. Er verliert trotz des Bezugs zum Buddhismus nicht seinen katholischen Glauben, sondern erkennt viele Gemeinsamkeiten: „Die Dinge, von denen in der Bibel die Rede ist, sind genau das, was ich in der Einsiedelei erlebt habe.“
Toegel liest in der Zeit das Lukas-Evangelium „in einem Schwung durch“, macht intensive Übungzeiten, hält mehrtägige Schweigegelübde, bäckt Brot, erlernt handwerkliche Fähigkeiten. Erfahrungsaustausch gibt es mit anderen Einsiedlern auf dem Berg.
Drei Jahre ist er dort: „Das ist die Zeit, die man braucht für wirkliche geistige Erfahrungen.“
Zurück in Österreich beginnt er als Religionslehrer in einem Klagenfurter Gymnasium und lernt seine Frau Irene kennen, ebenfalls Pädagogin.
Die Beziehung zu Nordindien bleibt. Jedes Jahr kehrt er für einige Wochen in die Einsiedelei zurück.
Das Ehe Ehepaar Toegel lebt nun auf einem Kärntner Bergbauernhof, den es bewirtschaftet.
Wichtig ist dem Wanderer zwischen West und Ost: „Meine Seele ist christlich geprägt. Ich bin getauft, und auf dieser Basis baut meine Spiritualität auf.“