Liebe Leserinnen und Leser
des SONNTAG!
Die Welt ist anders, seit Christus aus Liebe zu uns am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden ist. Denn die Barmherzigkeit Gottes verwandelt die Welt. Sie kennt Rückschläge und vermeintliche Niederlagen. Aber am Ende wird ihr Sieg, der in der Auferstehung aufleuchtet, vollständig sein. Auch wenn es heute noch nicht so weit ist – und wie viel Böses umgibt uns gerade auch in diesen Tagen! –, so dürfen wir uns schon jetzt freuen und Gottes Barmherzigkeit auf vielfältige Weise erleben.
Die Welt war schon ein bisschen anders geworden, als Jesus nach seiner Auferstehung den Jüngern erschienen ist. Was hätte er ihnen alles vorwerfen können: Ihr habt mich am Ölberg alleingelassen, habt mich verraten, verlassen, verleugnet! Doch nichts davon bekommen die Jünger zu hören. Der Evangelist Johannes berichtet, was Jesus sagt, als er in ihre Mitte tritt: „Friede sei mit euch!“ Gott trägt nichts nach. Die weltliche Logik müsste hingegen überlegen: War das klug? Pädagogisch richtig? Fördert das nicht weiteres Fehlverhalten? Sollte Jesus nicht die Schuldigen benennen und Lehren ziehen, damit sich das Ganze nicht wiederholt?
Gerade in unseren so turbulenten Zeiten lohnt es sich aber, auf die Fragen des Auferstandenen zu schauen. Zu Maria aus Magdala sagt er: „Warum weinst du?“ Und im Lukas-Evangelium fragt er seine Jünger: „Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?“
Nach relativ geruhsamen Jahren sehen wir heute wieder sorgenvoll in die Zukunft. Aber lassen wir Christus die Frage doch auch an uns stellen: Was sind wir so bestürzt? Warum geben wir dem Zweifel im Herzen solchen Raum? Wir haben doch von der Auferstehung gehört und halten sie für wahr!
Ich wünsche Ihnen und mir die Zuversicht, die aus dem Glauben an den Auferstandenen kommt. Die Herausforderungen unserer Zeit bleiben uns trotzdem. Aber wir können sie unerschrocken angehen. Und wir können es tun wie der Auferstandene: ohne zu verurteilen, ohne Schuldzuweisungen, ohne Entrüstung.
Wir erleben, dass rund um uns der Zynismus zunimmt, die Sprache aggressiver wird und die Feindseligkeit größer. Vielleicht gelingt es uns, dabei nicht mitzumachen. Zu den sieben geistlichen Werken der Barmherzigkeit zählt: den Beleidigern gerne verzeihen. Gerne verzeihen! Wenn uns das gelingt und wir uns nicht an der gegenwärtigen Aufrüstung der Worte und dem immer zornigeren Pessimismus beteiligen – dann wäre das ein starkes Zeichen. Dafür, dass die Welt anders geworden ist, weil Christus für uns gelitten hat und er in seiner Auferstehung dem Tod den Stachel genommen hat.
Ein gesegnetes Osterfest wünscht
Ihnen