Papst Franziskus hat Priester vor "Spiritualitäten mit dem Prädikat 'light'" und Internetsucht gewarnt. Am Gründonnerstag, 24. März 2016 sagte er bei der Chrisammesse am Vormittag im Petersdom, ein Übermaß an "komplizierten Theologien" führe dazu, dass Priester oft blind seien und "ohne das schöne Licht des Glaubens". Franziskus mahnte die Priester zudem, sich nicht in "einer virtuellen Weltlichkeit" zu verlieren und dem "Reiz tausender Konsumangebote" zu erliegen.
Franziskus feierte den Gottesdienst im Petersdom zusammen mit den in Rom anwesenden Kardinälen, Bischöfen sowie mehreren tausend Priestern, die während der Messe die Versprechen ihrer Priesterweihe erneuerten. Gemäß der Tradition segnete der Papst bei der Chrisammesse die Heiligen Öle zur Spendung der Sakramente.
An die Priester gewandt erklärte Franziskus: "Wir spüren, dass unsere Seele dahin schwindet vor Durst nach Spiritualität, aber nicht aus Mangel an 'lebendigem Wasser' - das wir nur schlückchenweise trinken -, sondern aus einem Übermaß an Formen 'prickelnder' Spiritualität, an Spiritualitäten mit dem Prädikat 'light'." Er führte weiter aus, dass viele Priester sich gefangen fühlten, allerdings "nicht - wie viele Völker - umgeben von unübersteigbaren Mauern aus Stein oder von Drahtzäunen aus Stahl, sondern von einer virtuellen Welt, die man mit einem einfachen Mausklick öffnen und schließen kann."
So wie viele arme Menschen durch Drohungen und Fußtritte unterdrückt würden, würden auch viele Priester unterdrückt, nämlich durch den "Reiz tausender Konsumangebote, die wir nicht abschütteln können, um frei auf den Wegen zu gehen, die uns zur Liebe führen - Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern, zur Herde des Herrn, zu den Schafen, die auf die Stimme ihres Hirten warten", so der Papst. Gottes Barmherzigkeit sei grenzenlos, sagte Franziskus. Sie suche jeden Tag nach der Möglichkeit, "einen Schritt voranzukommen, einen kleinen Schritt durch das Niemandsland dorthin, wo Gleichgültigkeit und Gewalt herrschten".
Der Papst widmete sich zudem ausführlich zwei Bereichen, in denen sich Gottes Barmherzigkeit im Übermaß zeige: in der Begegnung mit ihm und in der Vergebung. Gott schenke sich den Menschen "ganz und gar, und zwar so, dass er in jeder Begegnung unmittelbar dazu übergeht, ein Fest zu feiern". Nur wer diese Feststimmung spüre, sei in der Lage sich zu besinnen, um Vergebung zu bitten und Sünden wieder gut zu machen.
"Im Übermaß" zeige sich Gottes Barmherzigkeit dabei auch in der Vergebung. Durch sie finde der Mensch von beschämender Schande zurück zur größten Würde, so Franziskus.